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Ungewollte Kinderlosigkeit - Vom Kinderwunsch zum Wunschkind

1,5 - 2 Millionen Paare in Deutschland sind von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen

  • Die Verbreitung von ungewollter Kinderlosigkeit lässt sich statistisch nur eingeschränkt erfassen. Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge liegt der Anteil der dauerhaft oder vorübergehend ungewollt kinderlosen Paare in den alten Bundesländern bei ca. zehn Prozent, in den neuen Bundesländern etwa bei fünf Prozent. Bei ihnen bleibt der Wunsch nach einem oder einem weiteren Kind unerfüllt.

Quelle: E. Brähler et. al.: Zur Epidemiologie gewollter und ungewollter Kinderlosigkeit in Ost- und Westdeutschland. In Reproduktionsmedizin 3-2001.


Häufig haben unerfüllte Kinderwünsche medizinische Ursachen

  • Bei 36 Prozent der 25- bis 59-jährigen in Deutschland ist der Wunsch nach einem ersten oder einem weiteren Kind bislang nicht in Erfüllung gegangen. Jeder dritte Kinderlose, der früher gerne einmal Kinder gehabt hätte, gibt als Grund an, es habe mit dem Schwangerwerden nicht geklappt.

Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach: Allensbacher Berichte 2007, Nr. 11.


Breite Akzeptanz für Kinderwunschbehandlungen - dennoch zögern Paare oft zu lange

  • 26 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen würden alle medizinisch möglichen Verfahren in Anspruch nehmen, wenn sie auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können. Nur 19 Prozent der Frauen wären bereit sich mit ihrem Schicksal abzufinden.
  • Häufig zögern Paare eine Kinderwunschbehandlung hinaus, weil sie hoffen, es würde sich auch noch ohne medizinische Hilfe eine Schwangerschaft einstellen. Dabei wird die Abnahme der Fruchtbarkeit von Frauen mit zunehmendem Lebensalter massiv unterschätzt. Obwohl die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden schon ab dem 30. Lebensjahr sinkt, glauben 40 Prozent aller Männer und Frauen, dies sei erst ab 40 Jahren der Fall.

Quellen: E. Brähler et al.: Die Einstellung der Deutschen zur Reproduktionsmedizin und Präimplantationsdiagnostik. Repräsentative Umfrage der Universität Leipzig. 2004. Institut für Demoskopie Allensbach: Allensbacher Berichte 2007, Nr. 11.

Etwa 6.400 Kinder bleiben jährlich ungeboren, weil der Eigenanteil für die Behandlungskosten zu hoch ist

  • Seit 2004 übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen nach dem neuen Gesetz zur Modernisierung des Gesundheitssystems nur noch 50 Prozent der Behandlungskosten für die ersten drei Versuche. Die Zuzahlung ist auf verheiratete Paare beschränkt. Das Alter der Frau muss zwischen 25 und 40, das Alter des Mannes zwischen 25 und 50 Jahren liegen.
  • Seitdem entscheiden sich deutlich weniger Paare für eine Kinderwunschbehandlung. Im Vergleich der Jahre 2002 und 2005 werden bei GKV-versicherten Frauen 55 Prozent weniger Behandlungen durchgeführt. Jährlich bleiben seitdem etwa 6.400 Kinder ungeboren. Das entspricht in etwa der jährlichen Geburtenrate einer Stadt wie Düsseldorf.

Quelle: Wissenschaftliches Institut der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen:  Auswirkungen des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes auf die Versorgungslage der Versicherten und die Ausgabensituation der Techniker Krankenkasse (TK) bzw. gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). 2007.


Kinderwunschbehandlungen - ein wichtiger demografischer Faktor

  • Das Deutsche IVF-Register (DIR) verzeichnete nach der Änderung der Erstattungsregelung im Jahr 2004 einen Rückgang der Geburten nach künstlicher Befruchtung um etwa die Hälfte von 18.872 auf 9.568. Die Geburten werden hier immer dem Behandlungsjahr zugerechnet.
  • In der Geburtenstatistik des Bundes schlug sich die Neuregelung erst 2005 nieder. Rund zwei Drittel des Geburtenrückgangs in Deutschland von 2004 auf 2005 dürfte auf die neue Kostenregelung zurückgehen.

Quellen: Deutsches IVF-Register (DIR): Jahrbuch 2006. Bad Segeberg 2007. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Ungewollt kinderlos – Möglichkeiten der modernen Medizin gegen den Kindermangel. Berlin 2007.


Wunschkinder gestalten die Zukunft unserer Gesellschaft mit

  • Wunschkinder und ihre Eltern sind schon heute ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Allein in den zehn Jahren von 1997 bis 2006 kamen in Deutschland ca. 105.000 Kinder nur dank einer Kinderwunschbehandlung zur Welt. Das sind etwa 4.000 Schulklassen und ca. 1,4 Prozent der heute zwei- bis zwölfjährigen Kinder.
  • Diese Kinder leisten wichtige Beiträge für die Zukunft unserer Gesellschaft, und sie werden in ihrem Leben selbst wiederum Familien gründen und Kinder bekommen.

Quelle: Deutsches IVF-Register (DIR): Jahrbuch 2006. Bad Segeberg 2007.

Beispiele aus Europa zeigen: Mehr Unterstützung für Kinderwunschpaare kann die Geburtenzahlen deutlich steigern.

  • Bei einer besseren Unterstützung würde die Zahl der Wunschkinder wieder deutlich steigen. In Dänemark, wo die Krankenversicherungen die Kosten für drei Behandlungen komplett erstatten, liegt der Anteil der Wunschkinder bei knapp vier Prozent eines Jahrgangs.
  • Stiege der Anteil in Deutschland auf das dänische Niveau, so kämen bis zum Jahr 2050 rein rechnerisch ungefähr 850.000 Kinder mehr zur Welt.

Quelle: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Ungewollt kinderlos – Möglichkeiten der modernen Medizin gegen den Kindermangel. Berlin 2007.

 

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