Kinderwunsch kennt keine Grenzen
Die etwa zwei Millionen Paare in Deutschland, die unter ungewollter Kinderlosigkeit leiden, sind mit ihrem Traum vom eigenen Kind nicht allein: Weltweit haben etwa 60-80 Millionen unfruchtbare Paare den selben Wunsch. Allein in Europa geht man davon aus, dass etwa 15 Prozent aller Paare ungewollt kinderlos sind – Tendenz steigend. Diese große Zahl der Betroffenen ist jedoch kaum bekannt, da Unfruchtbarkeit in vielen Ländern und Kulturen immer noch ein Tabuthema darstellt. Nach Definition der WHO gilt die Unfruchtbarkeit als eine „behandlungsbedürftige Erkrankung“. Wie in Deutschland haben sich deshalb auch in anderen Ländern bereits viele ungewollt kinderlose Paare einer künstlichen Befruchtung unterzogen. So haben bis heute auf der ganzen Welt zwischen 35 und 70 Millionen Paare auf diese Behandlungsmethode zurückgegriffen, um ihren Traum vom ersehnten Wunschkind zu erfüllen. Seit 1992 wird auch die ICSI (intracytoplasmatische Spermieninjektion) weltweit zur Therapie der ungewollten Kinderlosigkeit angewendet. Nach dieser Methode sind bereits über 100.000 Kinder gezeugt und geboren worden. Mittels In-vitro-Fertilisation (IVF) kamen in den letzten 25 Jahren schätzungsweise über 500.000 Kinder zur Welt. Das erste mit Hilfe der IVF gezeugte Kind, die Engländerin Louise Brown, feiert in diesem Jahr bereits seinen 25. Geburtstag.
Ungewollte Kinderlosigkeit in Europa
In Deutschland bringt eine Frau heute durchschnittlich nur noch 1,4 Kinder zur Welt. Diesem Problem einer sinkenden Geburtenrate steht Deutschland jedoch nicht alleine gegenüber: Auch in unseren europäischen Nachbar­ländern wurden in den vergangenen Jahren immer weniger Kinder geboren, was in Zukunft zu einer steigenden Überalterung und Reduzierung der Bevölkerung führen wird. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Tatsache, dass in Europa etwa 1,3% aller geborenen Kinder infolge einer künstlichen Befruchtung auf die Welt kommen, eine noch größere Bedeutung. Alle europäischen Staaten sehen Unfruchtbarkeit als medizinisches Problem an. So hat sich die Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie mit Sitz in Brüssel zum Ziel gesetzt, die Forschung und Diskussion aller Aspekte der Fortpflanzung und Embryologie zu erleichtern. Europa ist weltweit führend in der Kinderwunschbehandlung – über die Hälfte aller Behandlungszyklen werden hier durchgeführt.
Der europäische Vergleich:
Regelungen zur Erstattung der künstlichen Befruchtung
Derzeit wird die künstliche Befruchtung in allen westlichen europäischen Ländern, mit Ausnahme der Schweiz und Großbritannien, finanziell unterstützt. Die Übernahme der Kosten sowohl für die notwendigen Arzneimittel als auch für die ärztlichen Leistungen ist jedoch sehr unterschiedlich geregelt: In Ländern wie zum Beispiel Norwegen, Spanien oder auch Portugal ist die Erstattung daran gebunden, dass die Maßnahmen der künstlichen Befruchtung in öffentlichen Zentren in Anspruch genommen werden (Quelle: Serono GmbH). In der Regel werden, wie dies bislang auch noch in Deutschland der Fall ist, verheirateten Paaren drei bis vier Versuche der künstlichen Befruchtung bezahlt. In Frankreich werden die Kosten für eine Behandlung auch dann mitfinanziert, wenn diese in privaten Kliniken vorgenommen werden. Die Anzahl der erstatteten Behandlungszyklen ist unbeschränkt, wobei maximal vier Versuche empfohlen werden(Quelle: Serono GmbH). Die künstliche Befruchtung wird somit in Frankreich als eine echte Gesundheitsleistung anerkannt, die ungewollt kinderlosen Paaren zu einem Leben mit Kindern verhilft. Auch vergleichsweise kleinere Länder wie Dänemark, Schweden oder auch die Niederlande beweisen anhand ihrer Regelungen zur Erstattung der künstlichen Befruchtung, dass die Verantwortlichen die Bedeutung von Kindern für die betroffenen Paare, aber auch für die Gesellschaft erkannt haben. So werden in diesen drei Ländern bis zu drei Behandlungszyklen finanziert, wobei in den Niederlanden sowohl die Arzneimittel- als auch die Behandlungskosten zu 100% übernommen werden (Quelle: Befragung in den Vertriebsniederlassungen der Essex Pharma GmbH). Im europäischen Vergleich wurden hier auch am häufigsten künstliche Befruchtungen vorgenommen, gefolgt von Frankreich. Insgesamt sind die europäischen Länder bereit, insbesondere auch angesichts der sinkenden Geburtenraten, ungewollt kinderlose Paare solidarisch zu unterstützen.