Follet, Ken – Der dritte Zwilling.

Ken Follet, der bekannte englische Autor von den großen Bestsellerromanen „Die Nadel“, „Die Säulen der Erde“ usw. hat in dem Roman mit dem viel versprechenden Titel „Der dritte Zwilling“ ein brandaktuelles und uns alle interessierendes Thema aufgegriffen – künstliche Fortpflanzungsmethoden und die Genforschung.

Der Roman beginnt ganz harmlos: Ein junger sympathischer Jurastudent, Steve Logan, wird zu einer Studie über Zwillingsforschung eingeladen und lernt eine Psychologieprofessorin Dr. Jeannie Ferrami kennen, die sich mit der Vererbung von Gewalttätigkeiten und den Umwelteinflüssen durch Erziehung beschäftigt. Plötzlich und völlig unerwartet wird Steve verdächtigt, eine Frau vergewaltigt zu haben. Und obwohl er sicher ist, dass er es nicht war, wird er als Täter identifiziert und eine DNA-Analyse ist ebenfalls positiv. Geht das mit rechten Dingen zu? Jeannie hat einen identischen Zwilling zu Steve gefunden, der aber zur Tatzeit im Gefängnis saß. Von diesem Zwilling weiß Steve nichts und auch seine Eltern wissen nichts von einem Zwilling. Je mehr Jeannie versucht, diesem Rätsel auf die Spur zu kommen, um so mehr wird sie von politischer und wissenschaftlicher Seite unter Druck gesetzt, diese Nachforschungen einzustellen. Nach und nach stellt sich heraus, dass politisch einflussreiche Leute vor Jahren die Idee hatten, einen perfekten blonden, intelligenten, durchsetzungsfähigen Menschen zu schaffen und dabei Frauen mit Fruchtbarkeitsstörungen behandelt haben. Eine Genetico-Klinik zur Behandlung von Fruchtbarkeitsstörungen taucht plötzlich auf und mischt beim Wahlkampf mit. Ohne ihr Wissen haben sie diesen Frauen geklonte Embryonen eingesetzt, die dann als identische Menschen geboren wurden und nun Steve das Leben schwer machen, denn er sitzt im Gefängnis und wird eines Verbrechens beschuldigt. Steve und Jeannie sind inzwischen ein Liebespaar und suchen fieberhaft nach einer Lösung. Diese findet sich dann in einer Pressekonferenz, in der der Öffentlichkeit einige geklonte „Steve’s“ vor Augen geführt werden und damit den politischen und wissenschaftlichen Gremien ihr missglücktes „Experiment“ vor Augen geführt wird. Auch wenn das Ende und die Lösung des Romans etwas „amerikanisiert“ abläuft, ist der Roman sehr spannend und beleuchtet Probleme, die in naher oder auch ferner Zukunft auf uns zukommen könnten.

Für uns, die wir uns alle dringend ein Kind wünschen und bereit sind, Fruchtbarkeitsbehandlungen mitzumachen und kostet es, was es wolle, schwanger werden wollen, bleibt ein Nachdenken. Wie weit gehen wir bei den Behandlungen, wie weit bestimmen wir mit, was wir mit uns machen lassen und wie wichtig ist uns ein Kind?

Das Buch ist im Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach erschienen.

(Petra Thorn, Blickpunkt IV / 98)