Berg, Wolfhart – Wir hätten doch so gern ein Baby.

Der Autor versucht in einem weiten Bogen, angefangen mit Kommentaren, Statistiken medizinischem Hintergrundwissen, Ratschlägen, Gesprächsprotokollen und Interviews, dem Anspruch des Untertitels „Was Paare über künstliche Befruchtung wissen sollten“ gerecht zu werden.

Diese Mixtur unterschiedlicher Ansätze zum Thema Sterilitätsbehandlung, hat den Vorteil, dass mindestens einer dieser Punkte für den Leser von Interesse sein dürfte. Vier von insgesamt 15 Kapiteln beinhalten Erklärungen und Radschläge im medizinischen Bereich. Weiterhin berichten drei Erzählungen von Paaren, bei denen es „geklappt“ hat. Es entsteht auf Grund dieser Erfahrungsberichte, als auch an anderen Stellen des Buches der Eindruck, dass der Autor die Erfolgschancen sehr positiv einschätzt. Dies tut er vermutlich auch auf Grund der eigenen Erfahrung, denn auf der Rückseite des Buches wird berichtet, dass der Autor jahrelang aus ein Baby gewartet hat, bis seine Frau „die schönsten Zwillinge der Welt“ bekam. Die Statistiken zeigen jedoch, dass es Paare gibt, deren Kinderwunsch, selbst unter Zuhilfenahme von High-Tech-Verfahren, nicht erfüllt werden kann. Auch ist ein langer Leidensweg eines Paares vor der Ankunft des ersehnten Kindes, infolge vorzeitig zu Ende gegangenen Schwangerschaften, nicht ungewöhnlich. Diesen Problembereich des unerfüllten Kinderwunsches stellt sich der Autor, trotz des emotional überfrachteten Titels „Wir hätten doch so gerne eine Baby“ nicht! In zwei Kapiteln findet man Interviews mit einem Arzt und einer Psychotherapeutin. Ein großer Teil des Buches, allein vier Kapitel, beinhalten Kommentare des Autors zu ethischen Fragen. Hier scheinen sich jedoch Widersprüche zu ergeben. Im ersten Kapitel nimmt er der Sterilitätsbehandlung das Stigma des Unnatürlichen, Zitat: „…an einer künstlichen Befruchtung ist so gut wie gar nichts künstlich…,“ …nichts Gekünsteltes liegt auf der ‚Fruchtallee‘ , die Sperma und Ei nur kurz, mittels menschlicher Assistenz, betreten müssen…“. Auch den Beigeschmack des Unmoralischen möchte er den Betroffenen nehmen. So scheint ihm die künstliche Befruchtung gegenüber der natürlichen Befruchtung moralisch und ethisch weit überlegen, Zitat: „…der Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau ist weniger human, als die Retortenerzeugung, weil letztere eine wissentliche intelligentere – also einsichtige – Entscheidung voraussetzt, der Geschlechtsverkehr hingegen meist unkontrolliert, triebhaft, eben tierisch abläuft…“. Diese positiven Wendungen stellt er jedoch in den letzten drei Kapiteln des Buches Horrorvisionen gegenüber, die seiner Meinung nach aus der Weiterentwicklung dieser Sterilitätsbehandlung resultieren. Es fallen Stichworte, wie z.B. „Babyzucht“, „Leihmütter“, „geklonte Menschen“ und „Gen-Monteure“, so dass sich der Eindruck aufdrängt, der Autor prophezeie letztendlich eine unmoralische, ethisch nicht akzeptable Entwicklung. Dabei werden jedoch zum Teil sehr abenteuerliche und nicht mehr nachvollziehbare Verbindungen zwischen einer Sterilitätsbehandlung und anderen Forschungsschwerpunkten wie z.B. dem Gentransfer gesehen. Wer die Auseinandersetzung mit diesen ethischen Fragen sucht, sucht aus dem Aspekt heraus, welche Position man selbst einnimmt und wie man Kriterien der künstlichen Befruchtung entgegentreten kann, findet in diesem Buch einige provokante Ideen. Kritisch würde ich jedoch sehen, dass das Paar, das zunächst auf Grund der im ersten Kapitel geäußerten Gedanken und den sich daran anschließenden positiven Erfahrungsberichten aufgebaut wurde, letztendlich doch in die Ecke gestellt, dass es mit Akzeptanz und Anwendung von Sterilitätsbehandlungen unerwünschten Entwicklungen Vorschub leistet. Fazit: Wer sich auf diese ethischen Fragen einlassen möchte, um eigene Wertvorstellungen zu entwickeln oder zu überprüfen, findet hier Diskussionsstoff. Ansonsten hat das Buch den Vorteil, dass es sehr vielseitig an das Thema heranführt und daher als einführende Lektüre dienen kann.

Das Buch ist im Kösel-Verlag erschienen. (ISBN 3-466-34373-9)

(Andrea Rüprich, Blickpunkt IV / 98)